Mehr Raum für menschliche Effizienz

Im Frühling dieses Jahres war ich an der HWZ-Arena, an welcher die Frage „Innovation oder Effizienz?“ mit Experten und Vertretern verschiedener Firmen diskutiert wurde. Die Fachexperten, der eine aus dem Bereich Innovationsmanagement und der andere aus dem Lean Management, waren sich m.E. mit den CEOs einig, dass Unternehmen, um erfolgreich zu bleiben, so effizient wie möglich arbeiten sollten. Gleichzeitig sollten sie den Mitarbeitenden jedoch möglichst viel Raum für Innovation bieten. Für mich hörte sich das wie ein Paradox an: Der Mitarbeiter als die sprichwörtlich eierlegende Wollmilchsau. Wie soll z.B. Effizienz auf die individuelle Denkarbeit angewendet werden?

Emotionale Belastung ist ineffizient

Effizienz wird herkömmlich in betriebswissenschaftlichen Lehrbüchern als „die Beurteilung der Beziehung zwischen einer erbrachten Leistung und dem Ressourceneinsatz“ definiert (Thommen, 2013); es geht dabei um „rationelle Abläufe und minimalen Ressourcenverbrauch“. Kann diese Definition einfach auf die Denkarbeit von Menschen übertragen werden? Um optimal über längere Zeit „funktionieren“ zu können, braucht der Mensch ein Gefühl des Wohlbefindens und der Sicherheit. Ein erhöhtes Mass an emotionaler und somit auch kognitiver Störgeräusche kann vom fokussierten Arbeiten ablenken. Denn aufgrund von Spannungen im Team, Spardruck, Zeitdruck oder anderen Stressoren entsteht nicht nur eine emotionale Belastung, sondern direkt auch eine kognitive. Dies erkennt man, wenn diese Belastung bewusst wahrgenommen wird, z.B. in Form von Gedankenkreisen oder Abgelenkt sein.

Menschliche Ressourcen stärken

Wenn der Mensch derart wichtig für den Erfolg einer Unternehmung ist, wie es auch an der HWZ-Arena mehrfach betont wurde, sollten dafür genügend Ressourcen (finanziell, zeitlich etc.) investiert werden. Einerseits sollen die Mitarbeitenden auf der individuellen Ebene in ihrer Selbst- und Sozialkompetenz unterstützt und gecoacht werden. Andererseits müssen Teamdynamiken beobachtet und aktiv angegangen und ein vertrauensvolles Verhältnis mit den Führungspersonen kultiviert werden. Weiter kann man sich auf der organisationalen Ebene fragen, ob die Ausrichtung der Unternehmung Identifizierbarkeit ermöglicht (im Sinne von: lösen wir als Unternehmung wirklich Probleme, oder geht es nur darum, kurzfristig möglichst viel Gewinn abzuschöpfen?).

Raum für Innovation und  Effizienz

Bei der Diskussion über das Innovationpotenzial von Mitarbeitenden an der HWZ-Arena wurde mehrfach gesagt, dass die Mitarbeitenden dafür „Raum“ brauchen. Raum zum kreativen Denken, Raum durch eine Fehlerkultur und die Erlaubnis zum Scheitern. Meiner Ansicht nach braucht es für das Effizienzpotenzial der Denkarbeit genau das gleiche. Es braucht Raum, um Beziehungen aufzubauen, Raum, der Wertschätzung zulässt, aber auch Raum für konstruktives Feedback. Kurz: Raum, um Mensch zu sein. Effiziente Denkarbeit zu fördern, bedeutet demnach nicht, einem Mitarbeitenden einfach nur einen knappen Zeitrahmen zur Erfüllung einer Aufgabe zu geben. Sondern es bedeutet, den Menschen als ganzes Wesen zu respektieren und zu akzeptieren. Denn nur wenn der Mitarbeitende sich wirklich wohl fühlt, entsteht auch Raum zum Aufblühen.

Konklusion aus der Stakeholder-View:

  • Der Mensch wird in der (normativen) Stakeholderperspektive als würdevolles, emotionales und rationales Wesen betrachtet. Der Stakeholderansatz geht demnach nicht vom Homo Oeconomicus aus.
  • Auch zur Steigerung der Effizienz muss vom Menschen aus gedacht werden


Vanessa McSorley

Veröffentlicht von

Vanessa McSorley hat ein Lizentiatsabschluss (Masterabschluss) der Psychologie von der Universtität Zürich. Als Nebenfächer belegte sie BWL und Wirtschaftsgeschichte. Vanessa interessiert sich besonders für die Normative Stakeholdertheorie und für positive Psychologie im Unternehmenskontext. Daneben forscht Vanessa zum Thema Strategisches Managment und Stakeholdertheorie und unterrichtet gelegentlich Wissenschaftliches Arbeiten an der HWZ. Neben der Forschung geniesst es Vanessa in der Natur zu sein, insbesondere der Wald und die Berge sind bevorzugte Aufenthaltsorte. Wandern mit Freunden, Training mit dem Hund und verschiedene Sportarten sind Aktvitäten, die sie liebt. Vanessa arbeitet seit Anfang 2013 an der HWZ.

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