Wirtschaft ist Wahrnehmung ist Werte

Wir sind Altruisten

Wir werden geboren als Altruisten, nicht als Egoisten“ – dies war die Subline eines Dokumentarfilmes, welcher Ende Februar auf Arte ausgestrahlt wurde. In dem Film ging es darum zu zeigen, dass der Mensch oft uneigennützig und selbstlos handelt. Die Filmemacher gehen sogar so weit zu sagen, dass es die „Natur des Menschen“ ist, altruistisch zu handeln. Dazu verweisen sie auf Tiere und Kleinkinder, die sich in ihrem „nicht-bewussten“ Zustand selbstlos verhalten. Dass dies nicht völlig verkehrt ist, können wir auch selbst im Alltag beobachten. Wir halten z.B. füreinander die Türe im Bus auf, obwohl wir dafür keinerlei materielle Belohnung erhalten. Wir wissen intuitiv, dass unsere Gesellschaft so besser funktioniert (weshalb diejenigen Personen, welche die Türe nicht aufhalten, auch verflucht werden).

Wir sind Egoisten

Auf der anderen Seite gibt es Theorien, vor allem in den Wirtschaftswissenschaften, welche von einer reinen Nutzenmaximierung der Individuen ausgehen (Annahme des Homo Oeoconomicus). Wir können im Alltag auch einfach nutzenmaximierende Tendenzen beobachten. Wenn zum Beispiel am Bahnhof gratis Produktexemplare verteilt werden, möchten wir uns vielleicht so viel wie nur möglich erschleichen. Oder bei einer Schnäppchenjagd können Menschen beobachtet werden, die ihre „Konkurrenten“ fast zu Boden strecken, nur um das limitierte Schnäppchen für sich zu erobern.

Wirtschaft ist Wahrnehmung

Anscheinend sind wir also beides. Wir sind keine reine Egoisten, aber auch keine puren Altruisten. Mindestens kann man festhalten, dass wir zu beidem fähig sind. Was entscheidet also, welche Seite von uns eher in den Vordergrund tritt? Basierend auf psychologischen Erkenntnissen und einfacher Selbstbeobachtung, können zwei Bedingungen ausgemacht werden: der Kontext und die eigene Wahrnehmung, wobei sich diese beiden Bedingungen gegenseitig beeinflussen. Die Wahrnehmung funktioniert aufgrund von Kategorienbildung und im Extremfall aufgrund von Vorurteilen. Wir sehen, was uns „ins Bild“ passt. Als zusätzlicher Hinweis hilft uns der Kontext weiter, die Situation „richtig“ zu interpretieren. Wird uns also schon früh eingetrichtert, dass zwar in den Familien und mit Freunden viel nach dem Prinzip des Altruismus funktioniert, sich die Wirtschaft hingegen am Prinzip des harten Wettbewerbs um Macht und Alleinstellung (alle gegen alle) orientiert, werden wir dies später auch genauso erwarten und als Realität beobachten. Aufgrund dessen, dass wir uns dann sozialkonform verhalten möchten, verstärken wir damit diese Tendenzen.

Wahrnehmung ist Werte

Es gibt aber noch eine dritte Bedingung: Unsere Werte. Das heisst, wie wollen wir die Wirtschaft betrachten? Was wir manchmal vergessen, ist, dass wir die Wirtschaft sind. Wir entscheiden als Konsumenten, Mitarbeitende, Lieferanten, Produzenten mit, wie wir die Wirtschaft sehen wollen. Wir als Eltern geben unseren Kindern unsere Vorurteile über die Wirtschaft weiter. Wir wählen Politiker, die eine bestimmte Wirtschaftsform als Realität ansehen. Wir entscheiden als Mitarbeitende einer Bildungsinstitution, welche Theorien wir vermitteln wollen. Wollen Sie die Wirtschaft als „Alle gegen Alle“ verstehen oder als „gemeinsam lösen wir die Herausforderungen unserer Zeit“? Sie haben es in der Hand das Narrativ zu bestätigen… oder zu verändern!

Konklusion/Fragen aus der Stakeholder-View:

  • Die (psychologischen) Grundannahmen über das antizipierte Verhalten des (wirtschaftlichen) Partners ist (mit)entscheidend für das eigene Verhalten
  • Die normative Stakeholder-View sieht den Menschen aus einer humanistischen Perspektive, als würdevolles Wesen, welches die Möglichkeit hat, Gemeinsinn statt Eigennutz zu verwirklichen.
Vanessa McSorley

Veröffentlicht von

Vanessa McSorley hat ein Lizentiatsabschluss (Masterabschluss) der Psychologie von der Universtität Zürich. Als Nebenfächer belegte sie BWL und Wirtschaftsgeschichte. Vanessa interessiert sich besonders für die Normative Stakeholdertheorie und für positive Psychologie im Unternehmenskontext. Daneben forscht Vanessa zum Thema Strategisches Managment und Stakeholdertheorie und unterrichtet gelegentlich Wissenschaftliches Arbeiten an der HWZ. Neben der Forschung geniesst es Vanessa in der Natur zu sein, insbesondere der Wald und die Berge sind bevorzugte Aufenthaltsorte. Wandern mit Freunden, Training mit dem Hund und verschiedene Sportarten sind Aktvitäten, die sie liebt. Vanessa arbeitet seit Anfang 2013 an der HWZ.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.