Gutes Stressmanagement

Zurzeit halten wir an der Universität ein Seminar, in dem wir Stress am Arbeitsplatz und betriebliche Gesundheitsförderung behandeln. Die Tagesaktualität dieses Themas zeigt sich nicht nur am regen Interesse unserer Studierenden, sondern auch im Pressespiegel.Fast wöchentlich erscheinen Zeitungsartikel zur Thematik, und zwar zu allen möglichen Facetten:
– Wie gestresst wir sind („Ich habe mehr Stress als du!“),
– wer davon betroffen ist („Arbeitsbelastung: So ein Stress“ – „Stress und  Druck kann bei Kindern zu Burn-out-ähnlichen Situationen führen“),

– welche persönlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu beobachten sind („Zunehmender Stress führt zu mehr Schlafstörungen“ – „Zunehmender Stress und Burn-out erhöhen das IV-Risiko“ – „Krank wegen Stress beim Job? Die Firma haftet“),

– was man dagegen unternehmen kann („Wenn der Chef ein Time-out nimmt“ – „Viele Menschen missverstehen Erholung als Nichtstun“ – „Neurowissenschaftler entdecken das Meditieren als Mittel gegen Stress“)

– und was es zu Bedenken gilt („Umstrittene Bemühungen gegen Stress und für mehr Gesundheit“).

Ich finde es begrüssenswert, dass über Stress gesprochen wird. Es ist in meinen Augen ein brennendes Thema, besonders auch für Unternehmen. Hier nach Lösungen und Massnahmen zu suchen, finde ich zentral, damit sich der materielle Wohlstand, der in unseren Breitengraden herrscht, auch zu hohem Wohlbefinden führt. Problematisch finde ich allerdings den Trend, den Umgang mit Stress an Leistungskriterien zu koppeln: Stress ist ein Zustand, den es zu „managen“ gilt. Schnell werden die Attribute „gutes“ oder „schlechtes“ Stress-Management hinzugefügt. Diese Tendenz wird deutlich in einem Artikel der Handelszeitung mit dem Untertitel „Work-Life-Balance: Erfolgreiche Führungskräfte planen und messen ihre Nachtruhe. Intelligente Regeneration wird zum Karrierevorteil“ Nur wer gezielt mit Stress umgeht und die Regeneration optimiert, kann mithalten. Eine Stunde Joggen und eine Stunde Meditieren, funktional Essen und „richtig“ Schlafen, um dann einsatzbereit und belastbar zu sein, ist das Kredo. Es ist natürlich toll, wenn dieser Lebensstil Freude und Erholung bringt. Entsteht dieses Verhalten aus einem empfunden Leistungsdruck, bringt es dieser Person längerfristig aber wahrscheinlich nicht die gewünschten Resultate, ausserdem ist dies auch für viele mit Familie und Sozialleben einfach nicht machbar. Die Unternehmen können hier tätig werden. Ich finde es wichtig, das Thema psychische Gesundheit der Menschen im Unternehmen ernst zu nehmen und wirksame Massnahmen zu entwickeln, aber nicht in erster Linie als Instrument für mehr Leistung, sondern aus menschlichem Mitgefühl und Sorge um seine Mitarbeitenden und Kollegen. Nur so kann das Wohlbefinden der Menschen auch wirklich steigen. Eben dieses Wohlbefinden darf meiner Meinung nach nicht Mittel zum Zweck sein, sondern sollte an und für sich schon als genügend wertvoll betrachtet werden. Dies bringt ein schönes Zitat aus der Stakeholderliteratur auf den Punkt: „Strategically applying ethical principles – that is, acting according to moral principles only when doing so is to your advantage – is by definition, not following ethical principles at all.“ (Berman, Wicks, Kotha und Jones, 1999: S. 493)

Vanessa McSorley

Veröffentlicht von

Vanessa McSorley hat ein Lizentiatsabschluss (Masterabschluss) der Psychologie von der Universtität Zürich. Als Nebenfächer belegte sie BWL und Wirtschaftsgeschichte. Vanessa interessiert sich besonders für die Normative Stakeholdertheorie und für positive Psychologie im Unternehmenskontext. Daneben forscht Vanessa zum Thema Strategisches Managment und Stakeholdertheorie und unterrichtet gelegentlich Wissenschaftliches Arbeiten an der HWZ. Neben der Forschung geniesst es Vanessa in der Natur zu sein, insbesondere der Wald und die Berge sind bevorzugte Aufenthaltsorte. Wandern mit Freunden, Training mit dem Hund und verschiedene Sportarten sind Aktvitäten, die sie liebt. Vanessa arbeitet seit Anfang 2013 an der HWZ.

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