Wir, die Kunden

Wir, die Kunden machen uns, den Mitarbeitenden, das Leben schwer. Dieser Gedanke ging mir letzten Freitag an unserer Abschlussveranstaltung zum Seminar Business & Society an der Universität Zürich durch den Kopf. Dieses Jahr haben die Studierenden qualitative Forschungsprojekte zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement durchgeführt. Neben den Vorteilen, die ein gesunder Mitarbeiter einem Unternehmen bringt und es sich demnach auch finanziell gesehen lohnt, in gesundheitsfördernde Massnahmen zu investieren, ging es auch um die Grenzen dieser Massnahmen. Einerseits muss der Mitarbeitende natürlich auch selber Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen, die Organisation kann die Gesundheit nicht vollumfassend beeinflussen.

Andererseits wurde die Problematik angesprochen, dass je näher am Kunden eine Abteilung bzw. ein Unternehmen ist, desto grösser der Druck und desto kleiner der Spielraum, die Menge an Arbeit (ein oft genannter Stressor) zu reduzieren. Der Kunde bestimmt die Erwartungen, die an eine Unternehmung in einem Wettbewerb gestellt werden. Diese Erwartungen sind teilweise sehr hoch und nur schwer mit einem normalen Arbeitspensum bewältigbar, da stösst auch das betriebliche Gesundheitsmanagement auf Widerstand. Was bedeutet das für eine Gesellschaft? Wir stellen Erwartungen an uns selber, die wir kaum erfüllen können. Schliesslich sind wir alle Kunden (und gleichzeitig Mitarbeitende) und somit Teil des Wirtschaftssystems. Auch wenn die Hebelwirkung eines einzelnen Endkunden, insbesondere auf einem globalen Markt, nicht sehr gross ist, kann auch diese “bottom-up” Überlegung einen Einfluss auf das Gesamtsystem haben. Bearbeitet man ein Issue von mehreren Seiten, kann sich eher etwas ändern.

Ich habe mich also gefragt, was kann ich in meiner Rolle als Kunde tun? Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich ungeduldig werde, wenn etwas an der Einkaufskasse nicht einwandfrei funktioniert oder wie ich mich darüber empöre, wenn ich nicht sofort eine E-Mail von meiner Krankenkasse zurück erhalte. Ein wenig Entschleunigung, ein bisschen mehr menschliche statt mechanistische Interaktion und ein ehrliches Interesse am Gegenüber, das nicht nur eine austauschbare Arbeitskraft, sondern in erster Linie ein Individuum mit interessanten und auch fehlerhaften Eigenschaften ist, kann diese Erwartungen vielleicht ein Stück realistischer werden lassen. Und wenn es die Wirkung gegen aussen verfehlt, dann kann man immerhin selber von der entspannteren Stimmung profitieren.

Übrigens: Spannende Ergebnisse aus dem Seminar und der Schlussdiskussion werden von den Studierenden sowie von den geladene Experten auf diesem Blog als Gastbeitrag noch berichtet.

Vanessa McSorley

Veröffentlicht von

Vanessa McSorley hat ein Lizentiatsabschluss (Masterabschluss) der Psychologie von der Universtität Zürich. Als Nebenfächer belegte sie BWL und Wirtschaftsgeschichte. Vanessa interessiert sich besonders für die Normative Stakeholdertheorie und für positive Psychologie im Unternehmenskontext. Daneben forscht Vanessa zum Thema Strategisches Managment und Stakeholdertheorie und unterrichtet gelegentlich Wissenschaftliches Arbeiten an der HWZ. Neben der Forschung geniesst es Vanessa in der Natur zu sein, insbesondere der Wald und die Berge sind bevorzugte Aufenthaltsorte. Wandern mit Freunden, Training mit dem Hund und verschiedene Sportarten sind Aktvitäten, die sie liebt. Vanessa arbeitet seit Anfang 2013 an der HWZ.

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