Sharing Economy – Über die Grenzen einer Idee

„Wachstum trotz Ressourcenschonung!“ Mit diesem Versprechen hat Kollege Meier in seinem letzten Blogbeitrag geworben. So sei die Erfüllung dieses scheinbaren Paradoxes dank technischer oder sozialer Innovation möglich – zum Beispiel dank der sogenannten “Sharing Economy”.

Dieses Konzept hat ohne Zweifel seine Reize. Dem urbanen Freigeist sei Besitz ohnehin nur Last. Nicht der Besitz gelte, sondern der Nutzen, oder noch pointierter: das gemeinsame Erlebnis. Und nicht zuletzt – als netter Nebeneffekt – erlaube das Teilen die Schonung der begrenzten natürlichen Ressourcen.
Einigen eher unfreiwilligen Medienrummel hat das Konzept allerdings durch die beiden Dienstleistungsunternehmen „Uber“ und „Air BnB“ erhalten, die als unternehmerische Prototypen der Sharing Economy gelten. Als Vermittlungsagenturen, die das Prinzip der Verschränkung der digitalen und analogen Welt verinnerlichen, wälzen diese gerade bestehende Märkte disruptiv um. Dies schreckt natürlich zuallererst die organisierten Branchenverbände auf. Behände weisen diese darauf hin, dass der Erfolg dieser Unternehmen darauf gründet, dass diese Unternehmen ausserhalb bestehenden Marktregulierungen operieren.

Dass das nicht nur Gerichte interessiert oder interessieren sollte, sondern dass daraus auch eine moralische Verantwortung für uns Kunden erwächst, darauf macht Stefan Schultz in einem persönlichen und lesenswerten Essay aufmerksam. Diese Marktregulierungen haben einen Sinn. So hat sich die Gesellschaft z.B. in einem langwierigen Prozess das Arbeitsrecht gegeben, von welchem wir heute alle profitieren. Und genau um solche Errungenschaften foutiert sich aber Uber und Air BnB – weshalb diese viel günstiger als die bestehenden Marktteilnehmer sind. Doch „wir können nicht immer nur das machen, was für uns selbst am billigsten und bequemsten ist“, hält Stefan Schultz fest. So müsse der Konsument in seine Konsumentscheidung auch einbeziehen, dass sich der libertäre Geist dieser Unternehmen den Regeln, die den gesellschaftlichen Kitt wahren, widersetzt.

Natürlich gilt dieses Argument nicht für all die positiven Sharing Economy-Projekte, die auf non-profit-Basis funktionieren und im Kleinen viel Gutes bewirken. Dennoch zeigt das Beispiel von Uber und Air BnB seine Grenzen auf. Denn solange sich eine gute Idee nur mit Kollateralschäden skalieren lässt, bleibt sie nur nett und wirkungslos – oder wirkt im schlimmsten Fall gar kontraproduktiv.

Christian Stutz

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Christian Stutz hat einen Lizentiatsstudiumsabschluss in Allgemeiner Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Wirtschafts- und Sozialgeschichte von der Universität Zürich. Momentan beschäftigt er sich intensiv mit methodologischen Problemstellungen in der qualitativen Forschung. Darüber hinaus interessiert er sich für Fragestellungen der Stakeholder Theorie sowie der Corporate Social Responsibility (CSR).

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