Von digitalen Mastern und Dinosauriern

Wie weit sind Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung? Wie stark nutzen sie digitale Anwendungen und Technologien im Umgang mit ihren Kunden sowie bei ihren internen Prozessen? Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden, haben das Institut für Strategisches Management: Stakeholder View und das Center for Digital Business der HWZ ein Forschungsprojekt zusammen durchgeführt, über das heute auch die Handelzeitung berichtet.

 

Ein Modell des digitalen Reifegrads

Als Grundlage dieses Projekts diente ein Modell von Forrester Research, welches den digitalen Reifegrad von Unternehmen an Hand von zwei Dimensionen kategorisiert: das digitale Kundenerlebnis und die digitale operationale Exzellenz. Während die Dimension «digitales Kundenerlebnis» den Digitalisierungsgrad in der Aussenbeziehung mit den Kunden beschreibt, bezieht sich die «digitale operationale Exzellenz» auf den Fortschritt bei den internen Prozessen. Weist ein Unternehmen auf beiden Dimensionen einen hohen Reifegrad auf, ist von einem digitalen Master (Meister) die Rede. Bei einer niedrigen Ausprägung auf den zwei Dimensionen spricht man von einem digitalen Dinosaurier. Ist ein digitales Kundenerlebnis, aber keine digitale operationale Exzellenz vorhanden, wird das Unternehmen als digitaler Konnektor bezeichnet. Umgekehrt verhält es sich beim vierten und letzten Typus, dem digitalen Arbeiter, der operational digitalisiert ist, jedoch nicht im Umgang mit seinen Kunden.

Die meisten Schweizer Unternehmen sind digitale Dinosaurier

Im Rahmen des durchgeführten Forschungsprojekts wurden Schweizer Unternehmen, vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU), befragt. Mittels eines Fragebogens gaben die Befragten eine Einschätzung ab, wie es um ihr Unternehmen bei verschiedenen Aspekten der digitalen Transformation beziehungsweise der digitalen Reifegrade steht. Aus diesen Angaben wurden eine Gesamtbewertung bezüglich der beiden Dimensionen «digitales Kundenerlebnis» und «digitale operationale Exzellenz» abgeleitet. Im Ergebnis zeigt sich, dass die meisten Schweizer Unternehmen (59%) digitale Dinosaurier sind und nur circa jedes vierte hiesige KMU (27%) einem digitalen Master entspricht (siehe Abbildung).

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Ausserdem zeigt sich ein sehr starker Zusammenhang zwischen den beiden Dimensionen: Bietet ein Unternehmen ein digitales Kundenerlebnis, ist meistens auch digitale operationale Exzellenz vorhanden – und umgekehrt ebenso. Fehlt jedoch eine der zwei Dimensionen, mangelt es in den meisten Fällen ebenfalls an der anderen Dimension. Folglich besteht in der Wirklichkeit eher ein Kontinuum der digitalen Reife von Unternehmen (hoch bis tief) als eine Kategorisierung von vier Typen, wie es das Modell von Forrester Research vorschlägt.

Konklusion aus der Stakeholder-View

Aus der Perspektive der Stakeholder-Theorie hat das Forschungsprojekt im Ansatz gezeigt, dass die Stakeholder-Orientierung bei der digitalen Transformation von Unternehmen einen entscheidenden Erfolgsfaktor verkörpert. Wie zuvor ausgeführt, entspricht der digitale Reifegrad einem Kontinuum zwischen hoch und tief. Um auf diesem Kontinuum eine hohe Ausprägung zu erlangen, ist gleichzeitig ein digitales Kundenerlebnis sowie digitale operationale Exzellenz notwendig. Diese beiden Ziele wiederum bedingen eine Ausrichtung auf mindestens zwei wesentliche Stakeholder der Unternehmung: Kunden und Mitarbeitende.

Daniel Laude

Veröffentlicht von

Daniel Laude hat „Außenwirtschaft / Internationales Management“ (Bachelor of Arts) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und im „Master in Management“ (Master of Science) an der Universität Mannheim studiert. Seine akademische Laufbahn umfasste ausserdem bisher Auslandsaufenthalte in Bangkok und St. Gallen. Daniel absolviert seit 2015 ein Doktorat an der Universität St. Gallen zum Thema "Stakeholder-Vertrauen".

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